In finsterer Zeit

Suchen wir Gott,

weil wir uns selbst

verloren haben?

Fragen wir nach Gott,

weil niemand

nach uns fragt?

Beten wir zu Gott,

weil sich die Mitmenschen

nicht bitten lassen?

Glauben wir an Gott,

weil wir den Glauben an das Leben

verloren haben?

Suchen wir Gott, 

weil wir in Wahrheit

die Liebe suchen?

Säen und ernten

Wir säen Freundschaft

und ernten Liebe.

Wir säen Liebe

und ernten Leben.

Wir säen Leben

und ernten Zukunft.

Wir säen Zukunft

und ernten Frieden.

Immer noch

In der hehren Basilika

halte ich Einkehr.

Zaghaft summe ich

die Lieder meiner Mütter.

Zweifelnd frage ich

nach den Worten meiner Väter.

Ich suche

die Hoffnung meiner Jugend.

Immer noch

träume ich davon,

die alten Lieder neu zu singen,

beseelt, freudig, heilend;

die alten Worte neu zu denken,

ergründend ihren wahren Sinn;

die alte Hoffnung neu zu leben,

zuversichtlich, mutig liebend.

Tausend Jahre

Tausend Jahre Hoffnung.

Form gewordenes Bekenntnis,

aufgerichtet von Namenlosen

im Schweiße ihres Angesichts;

Stein gewordenes Leben.

Tausend Jahre Wort und Gerede,

Erhabenheit und Elend,

Glaube und Zweifel,

Freud und Leid;

Lob und Klage,

Tausend Jahre Klang.

Und nun mein spätes Liedchen,

ein Lallen im Chor der Sterblichen,

ein Schatten, ein Hauch,

verklingend im Universum.

MUSICA PRAELUDIUM VITAE ETERNAE

Im gotischen Dom

klingt vielstimmig,

wundersam berauschend

Orgelmusik:
Bachs Klanguniversum

erfüllt Raum, Seele und Leib.

Engel schweben hernieder,

und längst Verblichene

entsteigen der Gruft.

Gemeinsam heben sie zu singen an,

klagen ein Kyrie

und jubeln ein Gloria.

Die Zeit vergisst sich;

und mein Geist fliegt

himmelwärts.

Singen

Ich singe,

singe, atme,

atme mich frei.

Mein Atem wird Klang

und der Klang Teil meiner selbst.

Leib und Seele versöhnen sich.

Die Zeit vergisst sich;

die Traurigkeit weicht;

licht wird mein Gemüt.

Als eine Stimme des geschöpflichen Vielklangs

der Himmel und Erde vereint,

jubeln Seele und Geist.

Die Orgelmaus

Die Orgelmaus

im Gotteshaus

greift mächtig in die Tasten;

sie spielt und singt

dass groovt und swingt

der große Pfeifenkasten.

Davon entzückt

und tief beglückt

sind zwei, drei Kanzelschwalben.

"Das darf nicht sein,

denn ich allein

darf fromme Seelen salben!"

So spricht erbost

der Pfaffe Jost

und muss nun allseits hadern

mit Mensch und Gott;

in seiner Not

wird er erneut salbadern.

Die Orgelmaus

macht sich nichts draus,

tut neue Klänge weben.

Die Maus bleibt arm,

dass Gott erbarm

und freut sich doch am Leben.

Die Stille suchen.

Im Klang-Universum Bachs

mich selbst vergessen.

Entfallen das Wort.

In der Stille klingt ein Lied.

Meine Seele singt.

Wenn ich traurig bin,

flüchte ich in die Musik,

mich zu vergessen.

Die Füsse tänzeln,

die Hände greifen, fingern:

die Pfeifen singen.

Ohne die Musik

sei das Leben ein Irrtum.

Irrte sich Nietzsche?

Das Leben ist Klang.

Und verstummen die Lieder,

erklingt die Stille.

Beseelt gesungen,

wird selbst ein alter Choral

zum ganz neuen Lied.

* * * * * * *

Gott ist die Liebe.

Liebend schaffen wir Leben.

Leben schafft Zukunft.

Halt im Gedächtnis:

Wer andere erniedrigt,

erniedrigt sich selbst.

Glaubst du auch an Gott?

Ich glaube an die Liebe.

Liebe schafft Leben.

Zweifelnd der Glaube.

Verzagt die Hoffnung.

Stetig die Liebe.

Barmherzig zu sein,

ist das wahre Bekenntnis

christlichen Glaubens.

Der Glaube zweifelt.

Die Hoffnung verzagt.

Die Liebe lächelt.

Vater im Himmel,

erhalte uns hienieden

die Mutter Erde.

Stets nach Gott gesucht.

Spät die Liebe gefunden,

die Wohnstatt Gottes.

Liebende Menschen

und nichts sonst offenbaren

die Liebe Gottes.

Göttliche Gnade

ist die Schwester der Liebe.

Liebe ist gnädig.

Verwundet das Wort,

missbraucht von Unterdrückern

im Priestergewand.

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